Statikerhaftung III

III. Haftungsabgrenzung zwischen Statiker und Architekt

LG Leipzig, Urteil vom 08.08.2001 – 03 O 1444/01

 

Der Architekt haftet nicht bei Fehlen einer vom Statiker zu planenden Dehnungsfuge, soweit er deren Notwendigkeit nicht erkennen konnte.

 

Hier hatte das LG die Klage gegen den Architekten abgewiesen.

 

Was war passiert:

Beim Bauvorhaben, Errichtung eines Verwaltungs- und Wohngebäudes, übertrug der Bauherr dem Architekten die Grundleistungen der Leistungsphasen 1 – 4, sowie 8 u. 9 des § 15 Abs. 2 HOAI. Der Architekt, als Vertreter des Bauherren hat die Leistungen der Tragwerksplanung dem Statiker übertragen. Die Deckenverlegepläne für Keller- und Erdgeschoss wurden vom Generalunternehmer erstellt, der auch die Bauleistungen ausführte. In der Keller- und Erdgeschossdecke und in den darunter liegenden Wandbereichen traten Risse auf, deren Ursache Schwindverkürzungen der Decke bis zu 4,8 mm waren. Es wäre ein zusätzliches Gleitlager oder eine elastische Fuge in der Mitte der Deckenkonstruktion erforderlich gewesen.

 

Das Gericht hat die Klage gegen den Architekten abgewiesen, da ein schadenursächlicher Planungsfehler nicht vorläge. Der Statiker hätte den zum Schaden führenden Kräfteverlauf berücksichtigen müssen. Der Statiker wäre derjenige gewesen, der die durch die Verkürzung des Baumaterials auftretenden Risse rechnerisch erfassen hätte können. Im Rahmen der Tragwerksplanung hätte der Statiker daher die entsprechenden konstruktiven Maßnahmen vorgeben müssen. Der Architekt sei hierfür nicht ausgebildet und konnte den Fehler in der Tragwerksplanung nicht erkennen. Damit lag auch kein Fehler bei der Bauüberwachung vor.