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THEMA: Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge

Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 16 Nov 2017 18:59 #62406

  • Havelman
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Guten Abend,

ich habe eine kleine Fahrbahnplatte mit 3,5m Länge und 7m Breite über einen kleinen Bach zu konstruieren, welche allerdings recht häufig befahren wird. Lastanforderung ist LM1. Die Fahrbahnplatte stößt dann direkt mit dem neuen Fahrbahnbelag.
Als Lasten habe ich die üblichen Tandemlasten für Spur 1 angesetzt. Nun möchte ich noch die Bremslasten berücksichtigen. Was kann man bei der minimalen Fahrbahnlänge überhaupt annehmen? Die 360kN + 3,6 x L sind ja wahrscheinlich für tatsächliche Brückenträger gedacht. Oder kann man es einfach wegargumentieren, weil die Lasten irgendwie in den Asphalt weitergegeben werden?
Des Weiteren würde mich interessieren, ob man Bremslasten mit Temperaturlasten kombinieren muss. Ich habe nur die Tabelle mit den Verkehrslastgruppen. Da sind die Temperaturlasten nicht enthalten. Aber "gr 1a" kombiniere ich ja auch mit der Temperatur.

Ich freue mich über Meinungen und Wissen.
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Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 17 Nov 2017 07:49 #62408

  • KaiF
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Halte Dir die Länge eines realen Fahrzeugs vor Augen. Da steht im Bremsfall immer eine Achse auf der Fahrbahn außerhalb der Brücke.
Hat Du Betongelenk oder sogar biegesteifen Rahmen als System?
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Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 17 Nov 2017 10:10 #62410

  • Havelman
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Das ist vollkommen richtig. Ich habe daher 70% angesetzt, da es ja auch soetwas wie eine Bremskraftverteilung gibt. Die Lasten sind dennoch sehr hoch.
Der Unterbau ist ein Trog, d.h. eine Platte, die im Wasser ist und zwei anbetonierte, biegesteif verbundene Wände nach oben (quasi ein umgedrehter Rahmen). Darauf liegt dann die neue Platte auf und wird mittels Dollen mit den Wänden verbunden.

Setze ich die Bremslasten auf, habe ich nicht nur ein ordentliches Zusatzmoment auf die Verbindung Wände - Bodenplatte (positiv und negativ), ich habe auch eine entsprechende Erhöhung der Dollenbelastung. Also beides nicht optimal. Das Zusatzmoment kann man wegbekommen, wenn man eine Art passiven Erddruck ansetzt. Da weiß ich aber auch keine Sinnvolle Form, wie ich diesen Ansetzen kann. Linear ansteigend macht ja keinen Sinn.
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Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 17 Nov 2017 10:40 #62412

  • KaiF
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Dann hast Du aber auch volle Verkehrslast auf dem Überbau und bekommst die Bremslast über Reibung in die Widerlager (je 50% links und rechts!) weg. Die Dollen sind konstruktiv, aber denen kannst Du auch einen eventuellen Rest zuweisen, falls es mit der Reibung nicht ganz aufgeht.
Bei den kleinen Bauwerken wird die Bremslast dann nicht weiter verfolgt, das vertut sich in der Hinterfüllung. Irgendwo hatte ich da auch mal Schriftverkehr mit einem Prüfer dazu. Die Fertigteilhersteller lassen sich dazu auch nicht aus.
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Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 17 Nov 2017 10:44 #62413

  • KaiF
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Gefunden! Etwas länger her, damals noch die DIN FB geltend.
Ging zwar hier um geschlossenen Rahmen, aber der Gedankenansatz ist ja der gleiche.
...
auf diesem Wege bezüglich Ihrer
Frage zum Ansatz von Lasten aus Bremsen / Anfahren bei einem kleinen
Rahmendurchlaß folgende Anmerkungen aus meiner Sicht :
- Maßgebend für den Lastansätze ist der DIN Fachbericht Fb 101 - Ausgabe
März 2009.
- Mir sind keine Hinweise bekannt,ob diese Lasten (aus Bremsen/Anfahren nach
DIN Fb 101 / 4.4.1) bei eingebetteten Durchlässen anders zu bewerten sind
als bei Brücken.
In der "uralten" DDR-Vorschrift TGL 0-1072:1964-06 / Pkt.2.4 steht mal,dass
die Bremslasten unberücksichtigt bleiben ,wenn sie offenkundig ohne nennens-
werten Einfluß auf die Standsicherheit haben - z.B.Brücken mit beidseitig fest
gelagerter Brückenplatte .Nennenswert ist da so ein dehnbarer Begriff .

Man findet auch keinen Hinweis in der Erfahrungssammlung der BAST zum
DIN Fb 101 (letzte Ausgabe dieser Sammlung war 2005) .

Ich habe aber ein Bemessungsbeispiel der TU Darmstadt / LST Massivbau
(Prof.Graubner) - wo die Problematik des Ansatzes der Brems- und Anfahr-
lasten bei einem eingeerdeten Bauwerk dargelegt ist - dort wurden die Brems-
lasten auch nicht weiter verfolgt.
Der Rahmendurchlaß ist ja an drei Seiten (Bodenplatte/ beide Seitenwände)
im Erdreich elastisch gebettet.
In dem Rechenbeispiel wurde nochmals erläutert,dass weitestgehend die Brems-
kräfte im oberen Bereich der Rahmenstiele in den Boden abgetragen werden.
Und hier setzt dier DIN Fb 101 an,indem man die Festlegungen zu den Verkehrs-
lastgruppen nach Tab.4.4 in Verbindung mit Pkt. 4.5.2.1 und 4.5.2.2 beachten
muß.
Geht man davon aus,dass V-Lasten und H-Lasten auftreten,so handelt es sich
um sogenannte "mehrkomponentige Einwirkungen" nach DIN FB 101 /4.5.2 in
Verbindung mit Tab 4.4.
Bei der Annahme,das weitestgehend,die H-Lasten aus Bremsen oben ins Erdreich
abgetragen werden,so gilt für die Nachweisführung die Tab.4.4 -> Lastgruppe gr 1 -
es sind dann nur die charakteristischen V-Lasten des LM 1 zu berücksichtigen.
Würden anteilig H-Lasten in die Tragkonstruktion eingetragen,dann gilt Lastgruppe
gr 2 (häufiger Wert des LM 1 und charakteristische Werte der Brems- und Anfahr-
lasten)
-> Grundsätzlich ist zu beachten,das horizontale Beanspruchungen aus Erddruck
aus Hinterfüllung und aus Erdruck aus Fahrfahrverkehr auf seitliche Hinterfüllun-
gen mit Blocklasten aus TSM 4x120 und UDL (auch einseitig ->ungünstigste
Laststellung für Schnittkräfte und Bemessung ) ebenfalls zur Lastgruppe gr 1
gehören und immer zu berücksichtigen sind - dies steht außer Frage.

Ich wäre der Meinung,die Bremslasten zu vernachlässigen und alles mit der Last-
gruppe gr 1 (Vertikallasten LM 1 und H-Lasten aus Erddruck mit Erddruckaus ein-
seitigem Fahrverkehr) zu behandeln.
Mir ist auch nicht erinnerlich,dass bei Standsicherheitsnachweisen für kleine
Durchlaßrahmen (z.B.Fertigteile der Fa.Kleihuest) Bremslasten erfaßt wurden.
...
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Bremslasten nach EC1-2 für kurze Übergänge 17 Nov 2017 10:59 #62414

  • Havelman
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Ich würde es ähnlich sehen wie beschrieben. Aber eine Belastung aus einseitigem LM1-Verkehr ist ja noch schlimmer. Hier setze ich auf jeden Fall immer einen Gegendruck nach DIN 19901 an. Die Belastungen auf die Wand-Boden-Verbindung des Trogs wird ja ansonsten absurd. Und realistisch ist das auf keinen Fall.

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