Statikerhaftung II

II. Statiker und Bodengutachter

OLG Frankfurt, Urteil vom 19.04.2002 – 24 U 162/00

BGH, Beschluss vom 13.02.2003 – VII ZR 173/02

 

  1. Zum Leitbild des Statikers gehört zwar regelmäßig die Beratung des Bauherren in statisch – konstruktiver Hinsicht, wobei die Belange der Standsicherheit ebenso zu berücksichtigen sind wie die der Gebrauchsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.
  2. Der Statiker haftet jedoch nicht für die falsche Wahl der Gründung, die ihm im Rahmen seines Auftrags vom Baugrundgutachter und Architekten verbindlich für die Erstellung der Tragwerksplanung vorgegeben wurde.
  3. Eine Haftung kommt neben der des Sonderfachmannes und Architekten in Betracht, wenn die Mangelhaftigkeit der Arbeit des Sonderfachmannes erkennbar war und sich für Architekt bzw. Statiker eine weitere Aufklärung geradezu aufgedrängt hat. In diesem Fall besteht eine Frage- und Hinweispflicht gegenüber dem Sonderfachmann.

 

Hier hatte das Gericht eine Haftung des Statikers abgelehnt.

 

Was war passiert:

Im Außenbereich des alten Neckarflussbettes soll eine Produktionshalle errichtet werden. Weil die Baugrundsituation unklar ist, wird ein Sonderfachmann mit der Baugrunduntersuchung beauftragt. Dieser schlägt vier Gründungsvarianten vor. Nach einer Abwägung entscheiden sich Bauherr, Sonderfachmann und der Architekt für eine Flachgründung. Mit der Erstellung der Tragwerksplanung wird der Statiker beauftragt. Die Flachgründung war nicht tauglich, der Rohbau sackt ab. Nachträglich musste eine Tiefengründung hergestellt werden.

 

Hier war das Gericht der Meinung, dass vorrangig die vertraglichen Abmachungen des Bauherren mit dem Statiker zu beachten sind. Vorliegend war dem Statiker die vom Baugrundgutachter vorgeschlagene Flachgründung verbindlich vorgegeben. Erst nach dieser Entscheidung wurde der Statiker mit der Tragwerksplanung beauftragt, die als solche fehlerfrei war. Zwar gehört es grundsätzlich zu den Aufgaben des Statikers, in Eigenverantwortung zu prüfen, welche besonderen Gründungsmaßnahmen im Hinblick auf die örtlichen Bodenverhältnisse erforderlich sind. Das Gericht war hier aber der Meinung, dass sich der Statiker auf die Kompetenz des Bodengutachters verlassen durfte.

 

Achtung:

Ein ähnlicher Fall wurde vom OLG Frankfurt gegenteilig entschieden. Der Unterschied lag darin, dass zwar die Empfehlung einer Flachgründung vorlag, obwohl eine Tiefengründung erforderlich war, allerdings war der Statiker in die Gründungswahl mit einbezogen. Jedenfalls muss ein Statiker, der umfassend beauftragt ist und unklare Bodenverhältnisse erkennt, die notwendigen Feststellungen treffen lassen.